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Nachrichten - 30. Juli 2025

Heckler & Koch: Tödliche Profite aus lax regulierten Märkten

Ein Junge hält eine Heckler & Koch VP9-Pistole in der Hand
Foto: Noah Wulf, commons.wikimedia.org/wiki/File:Boy_Holding_H%26K_VP9.jpg, CC BY-SA 4.0 [Lizenz]

Auf der virtuellen Hauptversammlung der Heckler & Koch AG (H&K) am 9. Juli 2025 kritisierte das Bündnis der "Kritischen Aktionär*innen Heckler & Koch" unter anderem wachsende Geschäfte in lax regulierten Märkten wie den USA. Außerdem bestehen weiterhin Verbindungen zum Schmuggel-Risiko an der US-mexikanischen Grenze.


Profite aus tödlichem US-Zivilmarkt

Während H&K-Waffen in Deutschland mit Bildern von Sicherheitskräften und Windrad-Idyll beworben werden, buhlt Heckler & Koch in den USA unter anderem mit der Pistole CC9 um zivile Kundschaft. Diese kann im Alltag verdeckt getragen werden, um für "den einen Tag" bereit zu sein ("Everyday concealability, that day capability"). Auf der Hauptversammlung fragten wir nach, auf was für einen Tag sich Heckler & Koch denn dabei genau beziehe.

Der Vorstand antwortete darauf, man meine den Tag, an dem sich die Besitzerin oder der Besitzer der Waffe im Rahmen des geltenden US-Rechts gegen einen etwaigen rechtswidrigen Angriff verteidigen muss. Angesichts von fast 17.000 getöteten und über 31.000 verletzten Menschen durch Schusswaffengewalt im vergangenen Jahr sowie 222 gemeldeten Fällen von Mass Shootings allein bis zum 8. Juli 2025 wirkt diese Antwort zynisch und fast schon naiv.


"Die USA müssten der sicherste Ort der Welt sein"

"Mit seinem US-Marketing unterstützt Heckler & Koch den gefährlichen Mythos, Schusswaffen würden ihre Besitzerinnen und Besitzer sicherer machen und dienten ausschließlich der persönlichen Selbstverteidigung. Dabei geben in den USA neunmal so viele Menschen an, Opfer einer Person mit einer Schusswaffe geworden zu sein, als durch eine Schusswaffe geschützt worden zu sein", kritisierte Charlotte Kehne, Referentin für Rüstungsexportkontrolle bei Ohne Rüstung Leben, vor und während der Hauptversammlung.

"In den USA sind mehr Waffen im Umlauf als Menschen leben. Wenn mehr Waffen zu weniger Gewalt führen würden, müssten die USA der sicherste Ort der Welt sein. Doch das Gegenteil ist der Fall. Zum Vergleich: Die Sterberate aufgrund von Schusswaffen ist in den USA mehr als 16-fach höher als in Deutschland.

Expertinnen und Experten warnen, dass Besitz bzw. Tragen von Schusswaffen das Risiko von Tötungsdelikten, Selbstmorden oder unbeabsichtigten Verletzungen erhöhen. Der Einsatz von Waffen zur legalen Selbstverteidigung sei hingegen äußerst selten", führte sie in ihrer Rede auf der Hauptversammlung weiter aus.


Geschäft in den USA soll ausgebaut werden

Die Hauptversammlung zeigt jedoch erneut: Der US-Zivilmarkt ist für Heckler & Koch zentral und das US-Geschäft soll weiter gestärkt werden. Anstelle von 6.300 Pistolen und 2.700 Gewehren (2024) sollen in diesem Jahr 40.000 Pistolen und 10.000 Gewehre in den USA gefertigt werden. Das geplante Verkaufsvolumen soll in diesem Jahr bei rund 5 Millionen US-Dollar für den Behördenmarkt und rund 128 Millionen US-Dollar für den Zivilmarkt liegen.

Diese eindeutige Schwerpunktsetzung auf den Zivilmarkt war im Bericht des Vorstands nicht zu erkennen. Dort wurde lieber bildreich vom Behördengeschäft berichtet. Es kann der Eindruck gewonnen werden, dass Heckler & Koch sein Geschäft mit dem Markt, der in den USA jährlich tausende Getötete und Verletze produziert, in der deutschen Debatte nicht im Fokus sehen will. Dabei betrug der Anteil des Segments "USA-Zivil" am Gesamtumsatz des Konzerns im Jahr 2024 ganze 26 Prozent.

Aufhorchen lässt auch, dass die neue Pistole CC9 in den USA entwickelt und produziert wurde. Auf Nachfrage bestätigte Heckler & Koch, dass für einen Export aus den USA heraus keine deutsche Exportlizenz erforderlich wäre. 2024 gab es keine Exporte über die USA, doch wir werden in diesem Thema weiter genau hinschauen und nachhaken. Denn andere Kleinwaffenunternehmen nutzen bereits die laxere Exportregeln der USA. So hat beispielsweise Sig Sauer seine Produktion in Deutschland vollkommen eingestellt und produziert nun maßgeblich in den USA.


Schmuggel-Risiko an US-mexikanischer Grenze

Nicht nur die USA, auch Mexiko leidet unter einer Epidemie der Schusswaffengewalt. Im Oktober 2022 hat die mexikanische Regierung eine Klage gegen fünf Waffenhändler aus Arizona eingereicht, die sie beschuldigt, am illegalen Waffenschmuggel nach Mexiko beteiligt zu sein. Demnach wurden in Mexiko sichergestellte Tatwaffen auf Händler in Arizona zurückgeführt. Die Beschuldigten gehören zu den Top 10, auf die die meisten Tatwaffen zurückgeführt werden konnten - ein Indikator für illegalen Handel. Der Fall befindet sich in der Beweisaufnahme.

Anstatt jedoch solche Händler konsequent zu meiden, verweist Heckler & Koch auf seiner US-Internetseite bei der Händler-Suche explizit auf drei der fünf Beschuldigten! "Bereits in den vergangenen Jahren haben wir Heckler & Koch mit den damit einhergehenden Risiken konfrontiert. Weiterhin auf solche Händler zu verweisen widerspricht Heckler & Kochs eigener Maxime, im Zweifel lieber von einem Geschäft Abstand zu nehmen", kritisierte Kehne auf der Hauptversammlung.


Wir lassen nicht locker

Auf die Kritik erwiderte der Kleinwaffenhersteller, dass er sein zertifiziertes Händlernetzwerk ausschließlich auf Basis geltenden US-Rechts beliefere. H&K könne aber nicht verhindern, wenn Einzelne Gesetze missachten oder legal in den USA erworbene H&K-Waffen nach Mexiko transportiert werden. Damit wies der Waffenhersteller die Verantwortung von sich. Dabei sollte er gerade angesichts seiner unrühmlichen Rolle in Mexiko alles daran setzen, zu verhindern, dass H&K-Waffen abermals dorthin gelangen - egal auf welchem Weg.

Im Jahr 2019 wurden Ex-Mitarbeitende von Heckler & Koch wegen illegaler Waffenexporte nach Mexiko verurteilt. Gegen Heckler & Koch wurde die Einziehung von Verkaufserlösen in Höhe von rund 3,7 Mio. Euro angeordnet, die in diesem Jahr vollstreckt werden soll. Auf weitere Nachfragen zur Position von Heckler & Koch zu den beschuldigten Händlern und ob sie sich von diesen trennen werden, erbat sich der Vorstandsvorsitzend schlussendlich mehr Informationen. Dem sind wir gerne nachgekommen und werden somit auch bei diesem Thema nicht locker lassen.

 

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In Mexiko herrscht ein blutiger Drogenkrieg. Die Polizei ist in einigen Regionen von organisierter Kriminalität unterwandert. Weltweite Beachtung fanden 43 Studenten, die der Praxis des "Verschwindenlassens" zum Opfer fielen. Deutsche Waffen von "Heckler & Koch" und "Sig Sauer" tauchen immer wieder in Mexiko auf - auch dort, wo sie nie sein durften.

Auf unserer Themenseite finden Sie unsere Nachrichten zu deutschen Rüstungsexporten nach Mexiko.

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