Nachrichten - 11. November 2025
"Warum vergrößern Tomahawk-Marschflugkörper die Gefahr?" - Interview mit Simon Bödecker
Laut einem vertraulichen Dokument der Bundesregierung soll die Bundeswehr 400 Tomahawk-Marschflugkörper in den USA kaufen. Ein einziger Tomahawk kostet bis zu zwei Millionen US-Dollar, insgesamt sind 1,37 Milliarden Euro eingeplant. Im Interview mit der "Jungen Welt" erklärt Simon Bödecker von Ohne Rüstung Leben, warum die Kosten nicht der einzige Grund sind, der gegen diese Pläne spricht.
"Alarmbereitschaft und Nervosität werden steigen"
"Die Tomahawk-Marschflugkörper sind manchen Menschen noch aus den 80er-Jahren bekannt - damals wurde unter dem Stichwort "Cruise Missile" über die Risiken diskutiert", erläutert Simon Bödecker (Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei Ohne Rüstung Leben und Sprecher der Kampagne "Friedensfähig statt erstschlagfähig"). Landgestützte Tomahawks bleiben demnach wortwörtlich "unter dem Radar", sind also erst extrem spät zu orten.
"Damit sind die Marschflugkörper ideal für Überraschungsangriffe auf strategische Ziele – zum Beispiel Flugplätze, Raketensilos oder Flugabwehrsysteme im Westen Russlands. Moskau ist das bewusst. Wir befürchten, dass damit Alarmbereitschaft und Nervosität in den Kommandozentralen deutlich steigen werden."
"Im schlimmsten Fall genügt eine einzige Fehleinschätzung"
"Allein die Möglichkeit eines solchen Szenarios wird in Moskau als Bedrohung aufgefasst werden", warnt Bödecker in dem Interview. "Im schlimmsten Fall genügt eine einzige Fehleinschätzung – kombiniert mit dem Wissen um die kurzen Vorwarnzeiten –, um die militärische Führung in Moskau zu einem Präventivschlag zu bewegen. Ziel eines solchen vorbeugenden Angriffs wären dann wahrscheinlich Wiesbaden oder Grafenwöhr."
Als Mitbegründer der Kampagne "Friedensfähig statt erstschlagfähig. Für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen!" sind wir überzeugt: "Mittelstreckenwaffen bringen keine Sicherheit, sondern sind eine Gefahr für die Menschen. Daher fordern wir neue Initiativen des Dialogs und der Rüstungskontrolle! Langfristiges Ziel müssen ein Folgeabkommen zum INF-Vertrag und die Abrüstung aller Mittelstreckenwaffen in Europa sein."
Lesen Sie hier das vollständige Interview in der "Jungen Welt" vom 11. November 2025
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Nach dem Ende des INF-Vertrags 2019 droht Europa erneut zum Stationierungsort für landgestützte Mittelstreckenwaffen zu werden.
Die Kampagne "Friedensfähig statt erstschlagfähig. Für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen!" setzt sich gegen diese gefährliche Entwicklung ein und fordert eine neue Sicherheitsarchitektur für Europa. Ohne Rüstung Leben hat die Kampagne mitbegründet und stellt einen der Sprecher.
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