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Nachrichten - 4. Dezember 2025

SIPRI: Weltweite Rüstungsumsätze explodieren - Rekordeinnahmen für Rheinmetall

Protestbanner vor der Rheinmetall-Zentrale in Düsseldorf

Neue Zahlen des Stockholmer Friedensforschungsinstitutes SIPRI zeigen: Die weltweite Hochrüstung beschert der Rüstungsindustrie Umsätze in Rekordhöhe. 2024 lagen sie bei 679 Milliarden US-Dollar. Auch in Deutschland wollen sich immer mehr Unternehmen ein Stück vom wachsenden Kuchen sichern. 


Laut dem aktuellen Bericht von SIPRI
sind die Rüstungsumsätze (aus dem Verkauf von militärischen Gütern und Serviceleistungen an militärische Kunden im In- und Ausland) der 100 größten Produzenten im Jahr 2024 um fast sechs Prozent gestiegen.

Hauptgründe dafür seien die Kriege in der Ukraine und in Gaza, geopolitische Spannungen und steigende Militärausgaben. "Und generell setzen die Staaten weniger auf Diplomatie, sondern eher auf militärische Stärke", so SIPRI-Forscher Lorenzo Scarazzato.


Rüstungskonzerne in Europa profitieren besonders

23 der 26 größten europäischen Rüstungsunternehmen verzeichnen steigende Rüstungsumsätze, insgesamt konnten sie ein Wachstum um 13 Prozent auf 151 Milliarden US-Dollar verbuchen. Die Rüstungsumsätze der vier größten deutschen Produzenten (Rheinmetall, ThyssenKrupp, Hensoldt und Diehl) stiegen sogar um 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Rheinmetall AG - Deutschlands größter Rüstungskonzern - verzeichnet einen gravierenden Anstieg ihrer Rüstungsumsätze um ganze 47 Prozent. Damit rückt der Konzern im Vergleich zum Vorjahr um sechs Ränge auf Platz 20 der weltweit größten Rüstungsunternehmen vor.

"Industrie im Dialog für Sicherheit"

Gute Aussichten also für die CEOs, die am 2. Dezember 2025 auf Einladung von Verteidigungsminister Boris Pistorius und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche in Berlin zusammenkamen. Unter dem Motto "Industrie im Dialog für Sicherheit" sollte es auch darum gehen, wie die schwächelnde Autoindustrie ein Stück vom aktuellen Boom in der Rüstungsindustrie abbekommen kann.

Doch die dämpft bereits die Erwartungen: Verfahren könnten nicht einfach übertragen und die Stückzahlen größtenteils selbst gestemmt werden. Dennoch hält sich das Image der Rüstungsindustrie als "Retter der schwächelnden deutschen Wirtschaft", ist sogar die Rede von einem "olivgrünen Wirtschaftswunder". 


Konjunkturelle Wirkung der Aufrüstung wird überschätzt

Dabei sind die ökonomischen Auswirkungen steigender Militärausgaben fraglich. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2024 zeigt: Investiert der Staat die gleiche Summe stattdessen in Umweltschutz, Bildung oder Gesundheitswesen, sorgt das für deutlich mehr Wachstum bzw. Arbeitsplätze. Auch eine Studie der Universität Mannheim [PDF-Download] von 2025 befindet, die geplante Militarisierung sei eine "risikoreiche Wette mit niedriger gesamtwirtschaftlicher Rendite".

Dennoch setzt das Wirtschaftsministerium auf Rheinmetall und Co - nicht nur für die Aufrüstung der Bundeswehr, sondern zugleich für Geschäfte mit dem Rest der Welt. Der schwarz-rote Koalitionsvertrag sieht vor, Rüstungsexporte auch an wirtschaftspolitischen Interessen auszurichten. Und ein Beraterkreis von Wirtschaftsministerin Reiche empfiehlt "Beschaffen, auch um zu exportieren" als neuen Standard für die Rüstungspolitik. Das "Exportpotenzial" soll "zum verbindlichen Kriterium der Vergabeentscheidung" werden.

 
Das Wettrüsten durchbrechen, anstatt davon zu profitieren

Für Ohne Rüstung Leben ist diese Entwicklung nicht akzeptabel: Deutsche Waffen tauchen immer wieder in Ländern auf, in denen Autokraten an der Macht sind oder die Menschenrechte mit Füßen getreten werden und die in völkerrechtswidrige Kriegshandlungen verstrickt sind. Anstatt dem endlich konsequent den Riegel vorzuschieben, drohen Rüstungsexporte jetzt zur Konjunkturförderung und geopolitischen Verfügungsmasse verklärt zu werden.

Doch Rüstungslieferungen können zur Eskalation von Konflikten beitragen, Aufrüstungsspiralen befeuern und sind eine Fluchtursache. Bei der Entscheidung über deutsche Exporte müssen daher völker- und menschenrechtlichen Abwägungen und Verpflichtungen absolute Priorität eingeräumt werden. Zudem erwarten wir von Berlin konkrete Initiativen, um das gefährliche Wettrüsten in Europa und weltweit zu durchbrechen - anstatt zu versuchen, konjunkturellen Nutzen daraus zu ziehen.

 

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