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Nachrichten - 25. März 2020

"Meister des Todes 2" und "Tödliche Exporte 2" - alle Infos zum ARD-Themenabend

Meister des Todes 2
Szene aus "Meister des Todes 2", Foto: © SWR / Diwa Film

Illegale Exporte von Sturmgewehren nach Mexiko, fieberhafte Suche nach Beweisen und deutsche Rüstungsmanager, die sich vor Gericht verantworten müssen. Darum geht es im Spielfilm "Meister des Todes 2", der am 1. April 2020 in der ARD gezeigt wird. Wie viel Wahrheit steckt in der Geschichte? Und was hat sie mit "Heckler & Koch" zu tun? Wir haben die Hintergründe zusammengefasst.

 

Beruht "Meister des Todes 2" auf einer wahren Begebenheit?

Der Film mit Heiner Lauterbach und Veronica Ferres erzählt eine fiktive Geschichte über Rüstungsexporte der fiktiven Waffenfirma HSW. Ebenso wie bei "Meister des Todes 1" wird jedoch im Anschluss an den Film wieder mit einer Dokumentation die Wirklichkeit hinter der Fiktion gezeigt. Im Jahr 2015 sorgten Regisseur Daniel Harrich und sein Team mit der ersten derartigen Dokumentation für viel Aufsehen, weil sie darin Indizien für dubiose Waffengeschäfte von "Heckler & Koch" mit Mexiko präsentierten.

Jürgen Grässlin, Sprecher der "Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel!" und der Tübinger Anwalt Holger Rothbauer hatten bereits 2010 Anzeige wegen der Mexiko-Geschäfte erstattet. Wenige Wochen nach der Ausstrahlung von "Meister des Todes 1" erhob die Staatsanwaltschaft Stuttgart Anklage. "Meister des Todes 2" handelt nun vom Gerichtsprozess über die illegalen "Heckler & Koch"-Waffenexporte nach Mexiko. Mit fiktiver Handlung, aber nah an der Realität.

 

Hat "Heckler & Koch" wirklich illegal Waffen nach Mexiko exportiert?

In seinem Urteil vom Februar 2019 sah es das Landgericht Stuttgart als erwiesen an, dass Endverbleibserklärungen durch Mitarbeitende von "Heckler & Koch" bewusst frisiert wurden. Auf den Papieren, die als Grundlage für die Ausfuhrgenehmigung der Bundesregierung dienten, waren nur als "unbedenklich" geltende Zielregionen in Mexiko genannt. Ein Teil der G 36-Sturmgewehre war jedoch für Gebiete vorgesehen, für die aufgrund von Polizeigewalt und Menschenrechtsverletzungen keine Genehmigung erteilt worden wäre.

Zwei ehemaligen Mitarbeitenden von "Heckler & Koch" wies das Gericht nach, die Ausfuhrgenehmigung für die Sturmgewehre "bandenmäßig erschlichen" zu haben. Der Kleinwaffenhersteller selbst konnte wegen des fehlenden Unternehmensstrafrechts in Deutschland zwar nicht zur Verantwortung gezogen werden, allerdings soll der gesamte Umsatz aus den illegalen Mexiko-Geschäften eingezogen werden (rund 3,7 Millionen Euro). Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da mehrere Beteiligte Revision eingelegt haben.

Hier können Sie mehr zum Urteil im "Heckler & Koch"-Prozess nachlesen
 

 

Was hat es mit den 43 Studenten aus Ayotzinapa auf sich?

In der Nacht vom 26. auf den 27. September 2014 griffen Polizeikräfte und weitere bewaffnete Gruppen in Iguala im mexikanischen Bundesstaat Guerrero einen Bus an, in dem Lehramtsstudenten der pädagogischen Hochschule Ayotzinapa unterwegs waren. Es gab Tote und Verletzte, 43 Studenten fielen der Praxis des "Verschwindenlassens" zum Opfer. Bis heute ist dieses Verbrechen nicht aufgeklärt, die Studenten bleiben verschwunden.

Während der Dreharbeiten zu "Tödliche Exporte 2" konnte Regisseur Daniel Harrich Ermittlungsakten einsehen, aus denen hervorgeht, dass in der Nacht deutsche G 36-Sturmgewehre durch Polizeikräfte vor Ort verwendet wurden. 13 davon wiesen Schmauchspuren auf. Zudem wurde Munition sichergestellt, die dem Gewehrtyp zuzuordnen war. Die deutschen Waffen wurden also bei dem Verbrechen gegen die Studenten eingesetzt. Im "Heckler & Koch"-Gerichtsprozess wurden die Familien der Studenten dennoch nicht angehört.

Erfahren Sie mehr im Interview der "Deutschen Menschenrechtskoordination Mexiko" mit der Menschenrechtsanwältin Sofía de Robina

 

Hat der "Heckler & Koch"-Prozess die deutsche Politik verändert?

Die Frage nach einer Mitverantwortung der Genehmigungsbehörden war leider nicht Teil des Gerichtsprozesses. Bei Zeugenaussagen entstand zudem der Eindruck, das zuständige Wirtschaftsministerium sei nicht an einer strengeren Kontrolle von Kleinwaffenexporten interessiert. Das große gesellschaftliche Interesse und die jahrelange fundierte Arbeit von Organisationen wie Ohne Rüstung Leben haben dennoch Wirkung gezeigt.

2019 ergänzte die Bundesregierung in ihren "Politischen Grundsätzen für den Rüstungsexport", dass Kleinwaffenexporte in Drittländer außerhalb von EU und NATO grundsätzlich nicht mehr genehmigt werden sollen. Das führte zuletzt zu einem deutlichen Rückgang der ensprechenden Genehmigungen. Ein Schritt in die richtige Richtung! Allerdings sind die "Politischen Grundsätze" nicht rechtlich bindend, weshalb wir weiter ein ausnahmsloses Kleinwaffenexportverbot fordern.

Was genau sind Kleinwaffen und wie wird ihr Export kontrolliert? Lesen Sie mehr.
 

 

Wie kann ich mich gegen deutsche Kleinwaffenexporte engagieren?

Kleinwaffen lassen sich leicht verstecken und unkontrolliert weitergeben - auch in Kriege und an kriminelle Organisationen. Deshalb sind wir überzeugt, dass Deutschland generell keine Kleinwaffen exportieren sollte. Als Trägerorganisation der "Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel!" setzt sich Ohne Rüstung Leben schon seit vielen Jahren für ein konsequentes Exportverbot von Kleinen und Leichten Waffen sowie der zugehörigen Munition ein. Je mehr Menschen von der Politik ein solches Verbot fordern, desto mehr Gehör finden sie!

Machen Sie mit - unterstützen Sie unsere Aktion "Tödliche Exporte verbieten!"

 


 

Hier können Sie "Meister des Todes 2" und "Tödliche Exporte 2 - Rüstungsmanager vor Gericht" ansehen:

"Meister des Todes 2" wird am 1. April 2020 um 20:15 Uhr im Ersten ausgestrahlt, im Anschluss wird der neue Dokumentarfilm "Tödliche Exporte 2 - Rüstungsmanager vor Gericht" gezeigt. Wer den ersten Teil von "Meister des Todes" und die zugehörigen Dokumentation noch nicht gesehen hat, kann dies vorab nachholen.

Trailer, die Filme in der ARD-Mediathek und mehr Hintergrundinfos finden Sie auf der Webseite zum "ARD-Themenabend Waffenexport"

 

Sendetermine:

Meister des Todes 1: 27. März 2020, 22:00 Uhr
[
in der ARD-Mediathek verfügbar bis 27. Juni 2020]

Tödliche Exporte 1 - Wie das G 36 nach Mexiko kam: 28. März 2020, 01:45 Uhr
[
in der ARD-Mediathek verfügbar bis 26. März 2021]

Meister des Todes 2: 1. April 2020, 20:15 Uhr
[in der ARD-Mediathek verfügbar bis 1. Juli 2020]

Tödliche Exporte 2 - Rüstungsmanager vor Gericht: 1. April 2020, 21:45 Uhr
[in der ARD-Mediathek verfügbar bis 1. April 2021]

 

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