Presseerklärung - 15. März 2016

30 Jahre Kritische Aktionäre

30 Jahre Kritische Aktionäre
Grafik: © Dachverband Kritische Aktionäre

Köln - Seit drei Jahrzehnten verlangt der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre von Konzernen Rechenschaft über die Auswirkungen ihres unternehmerischen Handelns und ist auf Hauptversammlungen die Stimme für Frieden, Umweltschutz und Menschenrechte. "Mit seiner konzernkritischen Arbeit hat der Dachverband viel bewirkt", sagt Geschäftsführer Markus Dufner.


"Zusammen mit unseren 26 Mitgliedsorganisationen bilden wir ein Gegengewicht zu den Konzernen und Investoren, die in erster Linie von einseitigem Profitstreben angetrieben werden. Vergangenes Jahr haben wir auf 29 Hauptversammlungen im Inland und fünf weiteren im Ausland Kritik geübt. Korruption, soziale und ökologische Fehlinvestitionen sowie Greenwashing der Konzerne zu entlarven und dem entschieden entgegenzutreten, erfordert ein hohes Maß an Sachkompetenz, Vernetzung und Entschlossenheit."

Als einen der größten Erfolge der vergangenen Jahre bezeichnet Barbara Happe, Vorstandsmitglied des Dachverbands, den Rückzug des Energieversorgers RWE und zahlreicher deutscher Banken aus dem in einem bulgarischen Erdbebengebiet geplanten Atomkraftwerk Belene, das dadurch bis heute nicht gebaut worden ist.


Rückzug aus der Finanzierung von Streumunition

"Punkten konnten wir auch, als sich die Deutsche Bank nach jahrelangem Druck der Kritischen Aktionäre aus der Finanzierung von Konzernen, die Streumunition produzieren, zurückzog", sagt Happe, die als Bankenreferentin bei der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald arbeitet.

Ein weiterer Erfolg: Im letzten Jahr kündigte der Versicherungskonzern Allianz infolge anhaltender Kampagnen und Hauptversammlungsauftritte mehrerer Nichtregierungsorganisationen an, seine Investitionen in den Kohlesektor aus Klimagründen deutlich zu beschneiden.


Daimler AG verkauft Anteile an Rüstungsproduzenten

"Der gründlichen Recherche- und Lobbyarbeit der Kritischen Aktionäre ist es zu verdanken, dass die Daimler AG ihre Anteile an den Rüstung produzierenden Unternehmen EADS, jetzt Airbus, und Tognum verkauft hat", erklärt Paul Russmann, Vorstand des Dachverbands und Referent von Ohne Rüstung Leben. "Wir konnten auch aufdecken, dass militärisch nutzbare Unimogs in das Bürgerkriegsland Sudan geliefert wurden."

Am 23. Februar 1986 war Axel Köhler-Schnura, Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), eines der 14 Gründungsmitglieder des Dachverbands. "Als Aktionäre bei Hauptversammlungen haben wir die Möglichkeiten, Vorstände und Aufsichtsräte von Unternehmen von Angesicht zu Angesicht zu konfrontieren. Zusätzlich zum Druck, den wir über Anträge und Reden bei Aktionärsversammlungen ausüben, bedarf es starker gesellschaftlicher Bewegungen, damit die Konzerne sozial- und umweltverträglicher werden."


Viel zu selten Gehör bei Konzernchefs

Noch viel zu selten finden die Kritischen Aktionäre mit ihren Forderungen bei den Konzernchefs jedoch direkt Gehör. Vor der lebensbedrohlichen Menschenrechtslage für Staudammgegner in Honduras warnte der Dachverband bei den Siemens-Hauptversammlungen in den letzten Jahren eindringlich. Trotzdem hielt der Konzern über seine Tochterfirma Voith-Hydro daran fest, Turbinen für den Staudamm Agua Zarca zu liefern.

Vor einigen Tagen wurde die bekannteste Agua-Zarca-Gegnerin Berta Cáceres in ihrem eigenen Zuhause ermordet. "Konzerne dürfen Morddrohungen nicht so einfach in den Wind schlagen. Siemens und Voith Hydro müssen zumindest sicherstellen, dass ihre Geschäftspartner Menschenrechtsstandards einhalten", resümiert Vorstandsmitglied Christian Russau.


"Rohstoffe - im Konflikt mit Menschenrechten"

Genau hier setzt auch die aktuelle Kampagne "Rohstoffe - im Konflikt mit Menschenrechten" der Kritischen Aktionäre an, mit der sie sich für verbindliche menschenrechtliche Sorgfaltspflichten der Unternehmen einsetzen. "Dabei geht es vor allem darum, die Konzerne auf die Verantwortung für ihre Lieferketten hinzuweisen", so Dufner. "Da liegt zum Beispiel bei der BASF noch viel im Argen. Für die Produktion von Katalysatoren bezieht der Konzern Platin vom südafrikanischen Bergbauunternehmen Lonmin, das für die Ermordung von 34 Minenarbeitern mit verantwortlich ist.

 

Kontakt für die Medien

Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, Markus Dufner:

0221 5995647, 0173 7135237, E-Mail

 

www.kritischeaktionaere.de

 

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