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Nachrichten - 13. November 2017

Rheinmetall erhält Negativpreis - Manager wechselt nach Saudi-Arabien

"Black Planet Award 2017" für Rheinmetall

Weil Deutschlands größter Rüstungskonzern "in schockierender Weise menschliche Ethik im Spannungsfeld Ethik und Ökonomie mit Füßen" trete, verleiht die Stiftung "ethecon" Vertretern der Rheinmetall AG ihren diesjährigen "Black Planet Award". Charlotte Kehne von Ohne Rüstung Leben schildert in ihrem Grußwort zur Preisverleihung, wie Rheinmetall von Kriegen und Krisen profitiert.


Seit dem Jahr 2006 verleiht "ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie" jährlich zwei internationale Preise, die beide Seiten einer Medaille abbilden: Mit dem "Blue Planet Award" werden Menschen geehrt, die in herausragender Weise menschliche Ethik im Spannungsfeld Ethik und Ökonomie schützen und verteidigen. Der "Black Planet Award" schmäht diejenigen, die in schockierender Weise menschliche Ethik in diesem Spannungsfeld mit Füßen treten.


"Black Planet Award" für Vertreter der Rheinmetall AG

Der "ethecon Black Planet Award 2017" wurde in einem öffentlichen Festakt in Berlin am 18. November 2017 an Armin Papperger (Vorsitzender des Vorstands) und Ulrich Grillo (Vorsitzender des Aufsichtsrats) sowie die Großaktionäre Larry Fink und Paul Manduca des Rüstungskonzerns Rheinmetall verliehen.

Gründe für den Negativpreis gibt es mehr als genug: Die Rheinmetall AG ist Deutschlands größte Rüstungsfirma - und die aktuellen Quartalszahlen zeigen, dass sie das auch bleibt. In den ersten neun Monaten des Jahres 2017 stieg der Umsatz der Rüstungssparte um 5,9 Prozent und alle Bereiche des Geschäftes mit Waffen und Munition, Militärfahrzeugen und Panzern sowie elektronischen Lösungen konnten große Aufträge akquirieren.


"Erfolgreiche Internationalisierung der Rüstungssparte"

Papperger zeigt sich über diese Entwicklung sehr erfreut und sieht seine Firma "auf gutem Kurs". Das Ziel hat er ebenfalls fest im Blick: Laut dem Geschäftsbericht 2016 liegt ein besonderes Potenzial in "außereuropäischen Märkten, z. B. in der Region Mittlerer Osten/Nordafrika (MENA)". Im Klartext: Rheinmetall soll noch mehr Rüstungsgüter in die instabile, von Krisen gebeutelte Region zwischen dem Maghreb und dem Nahen Osten exportieren.

Wenn die Bundesregierung zögert, solche Exporte zu genehmigen, kann der Konzern von der "erfolgreichen Internationalisierung" seiner Rüstungssparte profitieren und über ausländische Töchter oder Joint Ventures liefern. So dokumentierte "Human Rights Watch" nach einem von Saudi-Arabien angeführten Luftangriff auf den Jemen im Jahr 2015, dass mindestens eine Bombenhülle von RWM Italia stammte, einer Tochter des Rheinmetall-Konzerns.


Beste Kontakte nach Saudi-Arabien

Wie offen die Rheinmetall-Führungsebene auch gegenüber menschenrechtsverletzenden Staaten ist, zeigt sich aktuell an einer pikanten Personalie: Medienberichten zufolge soll Andreas Schwer die Leitung des neuen staatlichen saudi-arabischen Rüstungskonzerns "Saudi Arabian Military Industries" übernehmen. Schwer ist derzeit als Vorstand der Rheinmetall-Rüstungssparte für die Organisation von Waffengeschäften im Ausland zuständig.

In Riad soll das Know-How des Deutschen helfen, eine eigene Rüstungsindustrie aufzubauen. "Saudi Arabian Military Industries" will mitten im Spannungsgebiet zwischen Katar und dem Jemen einer der größten Anbieter von todbringenden Produkten wie Militärflugzeugen und -fahrzeugen, Drohnen und Raketen werden und bald fast 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen.

Dank des neuen Leiters hat die Rheinmetall AG schon jetzt beste Kontakte zu diesem zukünftigen Rüstungsriesen. Freuen können sich darüber nur die Aktionäre und das Management von Rheinmetall.


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Grußwort zur Preisverleihung


Charlotte Kehne, Referentin für Rüstungsexportkontrolle bei Ohne Rüstung Leben, hat auf Einladung der Stiftung "ethecon" ein Grußwort für die Preisverleihung an Rheinmetall verfasst, das Sie hier herunterladen können:

Grußwort von Ohne Rüstung Leben [PDF-Download]

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