Presseerklärung - 10. Februar 2017

"Jede Pommesbude wird besser kontrolliert als der Rüstungsexport" - Studie zu Kindersoldaten veröffentlicht

In mindestens 20 Ländern werden Kinder als Soldaten in bewaffneten Konflikten eingesetzt.

Anlässlich des "Red Hand Day" veröffentlichen terre des hommes, die Kindernothilfe und World Vision Deutschland als Mitglieder des "Deutschen Bündnis Kindersoldaten" gemeinsam mit Brot für die Welt die Studie "Kleinwaffen in Kinderhänden - Deutsche Rüstungsexporte und Kindersoldaten". Ohne Rüstung Leben hat die Erstellung der Studie unterstützt.


Die Herausgeber der Studie [PDF-Download] rufen die Bundesregierung auf, den Export von Kleinwaffen und Munition komplett zu stoppen und ein Rüstungsexportgesetz mit rechtlich verbindlichen und einklagbaren Ablehnungskriterien zu schaffen. Rund 250.000 Kindersoldaten werden in mindestens 20 Ländern zum Kämpfen gezwungen oder als Spione, Lastenträger oder Sexsklaven missbraucht. In viele dieser Länder liefert Deutschland Waffen.


Waffenlieferungen heizen Konflikte an

"Die Studie belegt, dass Deutschland Kleinwaffen, die tödlichste Waffenart, in viele Konfliktregionen liefert - auch in solche, in denen Kindersoldaten eingesetzt werden, beispielsweise in den Nahen Osten, Pakistan oder die Philippinen", sagt Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte von terre des hommes und Sprecher des "Deutschen Bündnis Kindersoldaten". "Deutschland ist folglich mitverantwortlich für die Eskalation von bewaffneten Konflikten und das Leid vieler Kinder in diesen Ländern."

"Es gibt Leute, die sagen, jede Pommesbude wird besser kontrolliert als der Rüstungsexport", beschreibt Willinger im Mitteldeutschen Rundfunk ein weiteres Problem: den unkontrollierten Weiterverkauf von deutschen Waffen aus den Empfängerländern. Michael Davies, ehemaliger Kindersoldat aus Sierra Leone, kann davon berichten: "Als ich als Jugendlicher in Sierra Leone kämpfen musste, habe ich auch viele G 3-Gewehre gesehen. Waffenlieferungen in Konfliktregionen müssen dringend gestoppt werden, sie heizen dort die Konflikte an."


Deutschland soll Vorbildfunktion haben

Frank Mischo, Kinderrechtsexperte der Kindernothilfe führt aus: "Deutschland strebt einen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an. Dafür sollten Kinderrechte beachtet und die Empfehlungen des UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes umgesetzt werden. Das beinhaltet vor allem eine Vorbildfunktion Deutschlands - also nicht nur eine restriktive Rüstungsexportpolitik, sondern auch den Verzicht auf die Rekrutierung Minderjähriger in die Bundeswehr."

Am 12. Februar 2002 ist das Zusatzprotokoll zur "Kinderrechtskonvention zu Kindern in bewaffneten Konflikten" in Kraft getreten, das den Einsatz von Unter-18-Jährigen in bewaffneten Konflikten verbietet. Seitdem gilt der Tag als internationaler Tag gegen den Einsatz von Unter-18-Jährigen als Soldaten. Anlässlich dieses "Red Hand Day" ruft das "Deutsche Bündnis Kindersoldaten" gemeinsam mit zahlreichen Organisationen weltweit zu Aktionen mit dem Symbol der roten Hand auf.

 

www.kindersoldaten.info

 

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Studie "Kleinwaffen in Kinderhänden" [PDF-Download]

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