Nachrichten - 7. August 2017

Stuttgarter Deserteurdenkmal soll ins Herz der Stadt versetzt werden

Denkmal für Deserteure in Stuttgart
Das Deserteursdenkmal in Stuttgart, Foto: © Simon Bödecker

Am 30. August 2007 wurde das "Stuttgarter Denkmal für alle Deserteure" enthüllt und als großer Erfolg gefeiert. Auch Ohne Rüstung Leben hatte sich über Jahre dafür eingesetzt. Doch der Standort des Denkmals vor dem Theaterhaus, mehrere Kilometer von der Stadtmitte entfernt, blieb ein Kompromiss. Jetzt scheint die Lösung in greifbarer Nähe.


Mehr als zehn Jahre Einsatz der "Initiative Deserteur-Denkmal für Stuttgart" waren der feierlichen Enthüllung vorangegangen. 300 private Spenderinnen und Spender hatten die Skulptur des Bildhauers Klaus Kernbach finanziert. Auch ein Standort musste gefunden werden, die Stadt lehnte ein derartiges Denkmal im öffentlichen Raum ab. Theaterhaus-Leiter Werner Schretzmeier nannte es schließlich "eine gesellschaftspolitische Verpflichtung", den Platz vor dem Theaterhaus am Pragsattel zur Verfügung zu stellen.

Im Jahr 2007 wurde das Denkmal als revolutionärer Erfolg gefeiert. Schließlich hatte sich der Bundestag kurz zuvor überhaupt erst dazu durchringen können, Deserteure aus dem Zweiten Weltkrieg zu rehabilitieren. Mit der Zeit mehrten sich jedoch kritische Stimmen: Ein Denkmal für Deserteure, die "ein Zeichen gegen den Krieg" gesetzt hatten und dafür gefoltert oder gar hingerichtet wurden, gehöre ins Herz der Stadt, nicht auf den idyllischen, aber weitab der öffentlichen Wahrnehmung gelegenen Vorplatz des Theaterhauses.


Der Erinnerung eine weitere Facette hinzufügen

Weitere zehn Jahre später scheint die Lösung zum Greifen nahe. Dank intensiver Bemühungen der "Initiative Deserteur-Denkmal für Stuttgart", in der Ohne Rüstung Leben noch immer engagiert ist, sprach sich eine Gemeinderatsmehrheit aus Bündnis 90 / Die Grünen, SPD, SÖS-LINKE-PluS und FDP-Stadträtin Sibel Yüksel für die Verlegung des Deserteurdenkmals aus. Angestrebt wird ein Standort an der Dorotheenstraße, unmittelbar in der Stadtmitte, wenige Meter entfernt von Rathaus, Landtag und Neuem Schloss.

In der Begründung des Antrages heißt es: "Rund um den Karlsplatz ... hat sich in Erinnerung an die Opfer des Naziregimes und der Gewaltherrschaft eine Reihe von Gedenkorten etabliert. Vom Mahnmal gegen Krieg und Faschismus über die Staufenberg-Gedenkstätte ... zieht sich eine Diagonale der Erinnerung bis zum Hotel Silber, das zukünftig als Lern- und Gedenkort genutzt werden wird. In diesem Kontext wäre es konsequent, das Denkmal für Deserteure ... zu verlegen und der Diagonale der Erinnerung eine weitere Facette hinzuzufügen."

 


 

Veranstaltungstipp: "Deserteurdenkmal und Diagonale der Erinnerung"

Bedeutung und Geschichte der Deserteurdenkmale in Stuttgart und Hamburg


Montag, 9. Oktober 2017, 19:30 Uhr
im Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstr. 33 [Google Maps, VVS-Fahrplanauskunft]

Veranstalter: "Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V."
in Kooperation mit der "Initiative Deserteur-Denkmal für Stuttgart".

Mehr Informationen zur Veranstaltung unter hotel-silber.de

 


 

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Mehr Informationen:


Antrag der Stadtratsfraktionen:

Denkmal für Deserteure – Verlegung vom Theaterhaus in die Innenstadt (30. Juni 2017)


Unser Bericht aus dem Jahr 2007:


Ohne Rüstung Leben berichtete 2007 zum Deserteursdenkmal Stuttgart 

Artikel aus den Ohne Rüstung Leben-Informationen 123 [PDF-Download]

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