Ohne Rüstung Leben e.V.
Frieden politisch entwickeln

Publikation - 10. Dezember 2020

Internationale Studie zu Waffenexporten nach Mexiko veröffentlicht

Internationaler Report "Deadly Trade - How European and Israeli arms exports are accelerating violence in Mexico"

Friedens- und Menschenrechtsorganisationen aus sieben Ländern haben umfassende Rechercheergebnisse zu Waffenexporten nach Mexiko veröffentlicht. An der neuen Studie "Deadly Trade: How European and Israeli Arms Exports are Accelerating Violence in Mexico" hat Ohne Rüstung Leben als deutsche Organisation mitgearbeitet.


Mexiko versinkt in einer humanitären Krise: Fast 100 Menschen werden jeden Tag ermordet! Die Zahl der Gewaltdelikte durch staatliche Kräfte und kriminelle Organisationen sowie die Anzahl der Ermordungen mit Schusswaffen steigt seit Jahren dramatisch an.

Waffenhersteller mit Sitz in Europa und Israel haben zwischen 2006 und 2018 mehr als 238.000 Schusswaffen für Polizeikräfte und tausende weitere Waffen für militärische Zwecke nach Mexiko exportiert. Die Politik der exportierenden Länder trägt so zur Gewalt in Mexiko bei!


Internationale Recherche wertet tausende Dokumente aus

Um den Waffenexporten nach Mexiko auf den Grund zu gehen und mehr Aufmerksamkeit auf ihre fatalen Auswirkungen zu lenken, haben renommierte Nichtregierungsorganisationen aus sieben Ländern gemeinsam eine umfassende Studie erarbeitet. Dazu werteten sie tausende Belege und Dokumente zu Waffentransfers nach Mexiko aus - zahlreiche davon waren bislang unveröffentlicht. Ohne Rüstung Leben war Teil des Projekts und brachte die Fakten zu deutschen Rüstungsexporten in die Studie ein.

Hier können Sie die Studie herunterladen [PDF-Download, 5,7 MB]

 

Waffenexporte an die mexikanische Polizei

Der "Gemeinsame Standpunkt der Europäischen Union für Rüstungsexporte" legt unter anderem die Einhaltung der Menschenrechte im Empfängerland als wichtiges Entscheidungskriterium für Rüstungsexporte fest.

Der mexikanischen Polizei werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Dennoch erhielt sie seit 2006 hunderttausende Waffen von Firmen aus EU-Staaten, der Türkei und Israel.

Arming Mexico's Police - Number of Firearms sold from 2006 to 2018

 

Produktionsverlagerung in die USA

Die meisten großen europäischen Kleinwaffenhersteller haben mittlerweile Tochterfirmen mit Produktionsstandorten in den USA gegründet. Von dort aus lassen sich Waffen leichter nach Mexiko exportieren.

Das Beispiel "Sig Sauer" zeigt, wie die Bedeutung dieser US-Firmen stetig steigt. Im Jahr 2020 exportierte die amerikanische Tochterfirma 50.000 Pistolen in das südliche Nachbarland.

How a European Gun Company became Mexico's biggest Weapons Exporter

 

Dossier zu Morden an Journalistinnen und Journalisten erscheint zeitgleich

Zeitgleich mit unserer Studie erschien ein Dossier des Vereins "Forbidden Stories", der die Arbeit von bedrohten, zensierten oder getöteten Journalistinnen und Journalisten in aller Welt fortsetzt. Mexiko ist für sie das gefährlichste Land der Welt, mindestens 119 Pressevertreterinnen und -vertreter wurden hier seit 2000 ermordet.

Für das Dossier mit dem Titel "The Cartel Project" recherchierten 25 Redaktionen zehn Monate lang. Sie bezogen sich dabei für das vierte Kapitel des Dossiers auch auf die Daten aus unserer Studie zu Waffenexporten nach Mexiko.

The Cartel Project, Chapter 4: "An Ocean of Guns - Mexico’s Journalists in the Crossfire of the International Arms Trade"

 



Die Studie "Deadly Trade: How European and Israeli Arms Exports are Accelerating Violence in Mexico" wurde erstellt und herausgegeben von:

Global Exchange (USA), Vredesactie und Agir pour la Paix (Belgien), Osservatorio Permanente sulle Armi Leggere e Politiche di Sicurezza (Italien), American Friends Service Committee (Israel), Ohne Rüstung Leben (Deutschland), NESEHNUTÍ (Tschechische Republik), Comisión Mexicana de Defensa y Promoción de los Derechos Humanos und Centro de Estudios Ecuménicos (Mexico).

Bereits am 24. November 2020 hatten Vertreterinnen und Vertreter des Rechercheprojekts erste Ergebnisse in einem Online-Seminar vorgestellt. Charlotte Kehne, Referentin für Rüstungsexportkontrolle bei Ohne Rüstung Leben, sprach dort als deutsche Vertreterin.

Hier können Sie sich das Online-Seminar noch einmal ansehen

 

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Material zum Thema


Studie "Deadly Trade"
[PDF-Download, 5,7 MB, Englisch]

Mehr Informationen


Mehr Informationen zur Studie, die Datenquellen und alle Infografiken bei "Stop US Arms to Mexico"

Das Kapitel "An Ocean of Guns" aus dem internationalen "Cartel Project"  bei Forbiddenstories.org.


Internationale Medien berichten aus dem "Cartel Project". Drei Beispiele:

ZEIT: Sinaloa-Kartell in Mexiko: Javier Valdez kann nicht mehr recherchieren, aber wir können.

Süddeutsche: Der Tod kommt aus Europa [nur für SZ-Plus-Kunden]

Guardian: "The countries supplying the guns that kill Mexico’s journalists"

In Mexiko herrscht ein blutiger Drogenkrieg. Die Polizei ist in einigen Regionen von organisierter Kriminalität unterwandert. Weltweite Beachtung fanden 43 Studenten, die der Praxis des "Verschwindenlassens" zum Opfer fielen. Deutsche Waffen von "Heckler & Koch" und "Sig Sauer" tauchen immer wieder in Mexiko auf - auch dort, wo sie nie sein durften.

Auf unserer Themenseite finden Sie alle aktuellen Nachrichten zu deutschen Rüstungsexporten nach Mexiko.

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