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Nachrichten - 12. Februar 2020

Friedensethische Positionen: So stehen die Kirchen zu Atomwaffen

Papst Franziskus spricht sich klar gegen Atomwaffen aus

Lange Zeit sahen die Kirchen atomare Abschreckung als bedingt akzeptables Mittel zur Friedenssicherung an. Doch nun zeichnet sich sowohl bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) als auch beim Lehramt der Katholischen Kirche ein grundsätzliches Umdenken ab. Hier finden Sie die Positionen auf einen Blick.


Papst Franziskus spricht sich mit bislang unbekannter Deutlichkeit gegen nukleare Waffen aus. Mehrfach hat das Oberhaupt der Katholischen Kirche betont, bereits der Besitz von Atomwaffen sei unmoralisch. Zuletzt hat Franzsikus diese Haltung im November 2019 in Hiroshima bekräftigt und hinzugefügt: "Wenn wir tatsächlich eine gerechtere und sicherere Gesellschaft aufbauen wollen, müssen wir die Waffen aus unseren Händen legen…"

Hier finden Sie die Rede von Papst Franziskus in Hiroshima


Die katholische Deutsche Kommission Justitia et Pax hat - unter anderem motiviert durch die Haltung des Papstes - ihre bisherige Bewertung der atomaren Abschreckung einer grundlegenden Prüfung unterzogen. Dabei kommt die Kommission zu einem bahnbrechenden Ergebnis: Die bisherige Duldung der nuklearen Abschreckung "als Konzept der Kriegsverhütung" könne nicht mehr aufrechterhalten werden.

Zum Positionspapier: "Die Ächtung der Atomwaffen als Beginn nuklearer Abrüstung"


Die Haltung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wurde lange maßgeblich durch die Heidelberger Thesen von 1959 bestimmt, wonach die Sicherung eines "Frieden in Freiheit" durch Atomwaffen ein "heute noch mögliche christliche Handlungsweise" sei. 2007 widersprach der Rat der EKD diesen Thesen erstmals in einer Denkschrift, konnte sich jedoch nicht auf Forderungen aus dieser neuen "friedensethischen Einsicht" festlegen.

Zum entsprechenden Abschnitt der EKD-Denkschrift von 2007


Die Kundgebung der EKD-Synode in Dresden vom 10. bis 13. November 2019 bezeichnet nun die Einsicht als unausweichlich, dass "nur die völkerrechtliche Ächtung und das Verbot von Atomwaffen den notwendigen Druck aufbaut, diese Waffen gänzlich aus der Welt zu verbannen". In dieser Frage bezieht die EKD somit nun klar Position. In weiteren Fragen, etwa zu den Atomwaffen in Büchel, bleibt die Kundgebung jedoch vage und wird dafür auch kritisiert.

Zur Kundgebung der 12. Synode der EKD auf ihrer 6. Tagung


Die Evangelischen Landeskirchen in Deutschland positionieren sich teilweise deutlicher zu Atomwaffen. So forderte beispielsweise die Evangelische Kirche im Rheinland im Januar 2018 den Abzug der US-Atombomben aus Büchel. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau verabschiedete im November 2019 einstimmig ein Positionspapier, das unter anderem den deutschen Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag fordert.


Christinnen und Christen aus mehreren evangelischen Landeskirchen sowie der katholischen Friedensbewegung Pax Christi organisieren in diesem Jahr bereits zum dritten Mal den Ökumenischen Aktionstag der Kirchen in Büchel. Bei einem ökumenischen Gottesdienst mit hohen Vertreterinnen und Vertretern beider Kirchen fordern dort viele hundert Menschen einen Abzug der Atomwaffen. Der nächste Aktionstag findet am 6. Juni 2020 statt.

Unser Bericht vom letzten Aktionstag der Kirchen in Büchel

 

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